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Medienmitteilung der Linthkommission

Planungsstart für die Flussaufweitung Kundertriet

Zehn Jahre nach Abschluss des Hochwasserschutzprojekts «Linth 2000» liegt eine Machbarkeitsstudie für eine Aufweitung des Kundertriets am Escherkanal bei Mollis vor. Die Resultate der Vernehmlassung bei den Interessenvertretern sind ausgewertet. Am 7. Mai haben die Verantwortlichen der Linthkommission und der Linthverwaltung über das Projekt sowie über die bevorstehende Geschiebebewirtschaftung bei der Aufweitung Chli Gäsitschachen informiert.

Das Kundertriet ist im Besitz des Linthwerks. Eine Aufweitung war ursprünglich Bestandteil des Vorprojekts «Hochwasserschutz Linth 2000». Gegen dieses Vorhaben wurde in der Gemeinde Mollis im Jahr 2004 jedoch heftig opponiert. Um den Hochwasserschutz am Escherkanal nicht weiter zu verzögern, entschied die Linthkommission daraufhin, auf die Aufweitung Kundertriet zu verzichten, dies gegen den Willen der Umweltverbände. Auch die Kantone forderten mehr Ökologie. Der Verzicht auf die Aufweitung wurde deshalb mit ökologischen Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen im Kundertriet und Umgebung kompensiert, damit das Projekt bewilligt werden konnte. Im Rahmen des Bewilligungs- und Einspracheverfahrens konnte die Linthkommission damals zudem mit den Umweltorganisationen einen Vergleich abschliessen mit der Zusage, spätestens 2020 die Machbarkeit einer Aufweitung Kundertriet zu prüfen. 

Die entsprechende Studie liegt seit Mai 2020 vor. In der Folge hat die Linthverwaltung bei den Umweltorganisationen, der Gemeinde Glarus Nord, der Meliorationsgenossenschaft Riet sowie dem Glarner Bauernverband eine Vernehmlassung durchgeführt. Deren Rückmeldungen sind zwischenzeitlich ausgewertet, und der Projektumfang kann gut abgeschätzt werden. Aufgrund dieser Ausgangslage hat die Linthkommission im März 2021 beschlossen, dass die eigentlichen Planungsarbeiten für die Aufweitung gestartet werden sollen.

Akzeptanz der Bevölkerung heute viel grösser

Kaspar Becker, Baudirektor des Kantons Glarus und Präsident der Linthkommission, zeigt sich optimistisch, dass die Akzeptanz der Bevölkerung für eine Aufweitung im Kundertriet heute viel grösser ist als vor 15 Jahren: «Gerade das Beispiel der Aufweitung Chli Gäsitschachen unterhalb des Kundertriets zeigt, dass sich die ursprüngliche Skepsis bei der Bevölkerung zum Teil sogar in Begeisterung umgewandelt hat.»

Der Chli Gäsitschachen ist heute ein überregional bekanntes Naturschutzgebiet und ein beliebtes Naherholungs- und Ausflugsziel. Einheimische und auswärtige Besucher konnten seit der Umsetzung des Projekts «Linth 2000» hautnah miterleben, wie sich die 900 Meter lange Aufweitung des Escherkanals in eine völlig neue Flusslandschaft verwandelt hat. Geschiebeführende Hochwasser gestalteten in der Aufweitung die erwünschten Kies- und Sandinseln. Weiden und Pappeln bewachsen heute die Waldränder, Ufer und Kiesinseln. Auch die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten hat enorm zugenommen. So wurden beispielsweise über 160 verschiedene Pflanzenarten festgestellt, die auf den neuen Flächen der Aufweitung blühen.

Grosses ökologisches Potenzial 

Das ökologische Potenzial am Escherkanal wird als sehr gross eingestuft. Deshalb bietet sich die Aufweitung Kundertriet auch für die Umsetzung der gesetzlich vorgegebenen Revitalisierungsmassnahmen im Kanton Glarus an. Gemäss revidiertem Gewässerschutzgesetz sind alle Kantone verpflichtet, die Revitalisierung von Gewässern langfristig zu planen und einen Zeitplan für deren Umsetzung zu erstellen. Der Schlussbericht im Kanton liegt seit 2014 vor, die Planung und Umsetzung erster Projekte sind im Gange.

Partizipative Planung und Beteiligung des Bundes 

In einem nächsten Schritt wird das Aufweitungsprojekt auf Stufe Massnahmenkonzept ausgearbeitet. Die Resultate der Vernehmlassung der Machbarkeitsstudie fliessen in das Konzept ein. Die weitere Planung erfolgt partizipativ unter Mitwirkung eines Beirats, bestehend aus Vertretern der Gemeinde Glarus Nord, der Umweltverbände, der Meliorationsgenossenschaft, des Bauernverbands und der kantonalen Fachstellen. Federführend ist die Linthverwaltung.  

Die Kosten sind beim aktuellen Projektstand noch nicht bekannt. Der Bund und der Kanton Glarus werden das Projekt bei Vorliegen der Baubewilligung voraussichtlich mit gegen 80 Prozent unterstützen, die verbleibenden Kosten übernimmt das Linthwerk. 

Geschiebebewirtschaftung in der Aufweitung Chli Gäsitschachen

Für die Hochwassersicherheit des Linthwerks entscheidend ist die Erhaltung der Abflusskapazität. Die Menge des Geschiebes spielt dabei eine entscheidende Rolle. Ein zu grosses Geschiebeaufkommen führt mit der Zeit zu einer erhöhten Sohlenlage und vermindert die Abflusskapazität. Deshalb besteht knapp zwei Kilometer flussabwärts bei der Flussaufweitung Chli Gäsitschachen aktueller Handlungsbedarf.

Seit dem Abschluss des Projekts Linth 2000 kontrolliert die Linthverwaltung im Rahmen eines flussbaulichen Monitorings die Entwicklung der Flussaufweitung Chli Gäsitschachen bezüglich Sohlenlage, Ufererosion und Vegetationsentwicklung. Linthingenieur Markus Jud erklärt dazu: «Die aktuellen Profilaufnahmen zeigen, dass das Ausmass der Sohlenanhebung mächtiger ist als erwartet. Der Grund: Der Geschiebetrieb in der Linth schwankt von Jahr zu Jahr stark und ist von wetterbedingten Einzelereignissen abhängig. Dazu zählen die Unwetter der letzten Jahre in den Wildbacheinzugsgebieten mit einem überdurchschnittlichen Geschiebeeintrag in die Linth. Zudem führen langfristige Klimaveränderungen zu geringeren Abflüssen im Sommer.»

Diese Entwicklung führte in der Aufweitung zu einer höheren Sohlenlage als in der Planungsphase prognostiziert. Ausserdem war bereits im Auflageprojekt von «Linth 2000» darauf hingewiesen worden, dass in der Aufweitung Chli Gäsitschachen nach einiger Zeit eine Kiesentnahme nicht ausgeschlossen werden kann. Auch bei der geplanten Aufweitung Kundertriet ist eine Geschiebebewirtschaftung vorgesehen. 

Um im Chli Gäsitschachen eine ausreichende Abflusskapazität sicherzustellen, müssen im oberen Bereich der Aufweitung lokale Geschiebeentnahmen getätigt werden. Gleichzeitig werden am rechten Ufer in der Mitte der Aufweitung, also im Bereich, wo die Strömung auf die Uferlinie trifft, Blocksteine gesetzt. Mit dieser einfachen Massnahme kann das Ufer lokal vor einer weiteren Erosion geschützt werden. Die Entnahme soll im August und September 2021 erfolgen. Das Baubewilligungsverfahren wird derzeit vorbereitet. 

Kies vom Escherkanal verbessert den Lebensraum der Äschen im Linthkanal

Das Geschiebe, das aus dem Escherkanal entnommen wird, kann am Linthkanal für eine massgebliche Verbesserung des Lebensraums der Äschen eingesetzt werden und ist hochwillkommen. Deren Bestand ist stark eingebrochen, weshalb die Kantone verschiedene Massnahmen planen. Für das Jahr 2021 ist vorgesehen, die Kiesschüttungen an drei verschiedenen Stellen am Linthkanal zwischen Biäsche in Weesen und Bilten vorzunehmen.

 

Die Linthkommission und ihre Aufgaben

Die Linthkommission führt das Linthwerk im Rahmen eines interkantonalen Konkordates, das durch die Parlamente bzw. das Volk der Kantone Glarus, Schwyz, St. Gallen und Zürich gutgeheissen wurde. Die Kommission besteht aus Präsident Kaspar Becker (GL, Regierungsrat), Vizepräsident Michael Eugster (SG, Leiter Amt für Wasser und Energie), Christian Bommer (SZ, Leiter Amt für Gewässer), Christoph Zemp (ZH, Vorsteher Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft AWEL) und Heidi Romer (SG, Vertreterin der Linthgemeinden). Der Bund ist mit Adrian Schertenleib (Bundesamt für Umwelt BAFU) beratend vertreten. 
 

07.05.2021 / Pressestelle Linthwerk, Benken

 

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